Fashion Revolution - Pioniere nachhaltiger Mode

Aktualisiert: 14. Nov 2020

#2 Kleiderei | Die nachhaltige Fashion Flatrate

Lena Schröder, Geschäftsführerin der Kleiderei

In meinem ersten Beitrag dieser Serie habe ich euch bereits ein Verleihkonzept hochwertiger Kleidung vorgestellt. Heute möchte ich euch gerne eine weitere Möglichkeit zeigen, Mode nachhaltig zu konsumieren, ohne ständig neu kaufen zu müssen. Lest weiter, wenn ihr es liebt, euch durch bunt gefüllte Kleiderstangen zu arbeiten, nicht genug von neuen Styles kriegen könnt, euch ständig die Kleiderbügel dabei ausgehen und vor allem eines wollt: Mode umweltfreundlicher machen.

Stil hast du, Kleidung leihst du


2012 hatten Thekla Wilkening und Pola Fendel während ihres Studiums die Idee, Kleidung zu einem monatlichen Festpreis zu verleihen – funktioniert übrigens schon mit Büchern und nennt sich Bibliothek. Das Prinzip von Mietmode war zu dem Zeitpunkt für Deutschland brandneu. In den USA sind Abo-Modelle im Fashion Segment schon länger gang und gäbe; in Deutschland rollt das System jetzt gerade erst an. Nach dem ersten Kleiderei-Store in Hamburg gab es auch zwei temporäre Pop-up Stores in Berlin. Wegen der hohen Nachfrage wurde Kleiderei ab 2014 in ein Online-Modell umgesetzt, welches jedoch drei Jahre später eingestellt wurde. Das offline Geschäft geht aber weiter: Seit 2016 gibt es einen Kleiderei-Store in Köln und seit letztem Jahr einen in Freiburg. Für 2021 sind weitere Stores geplant.

Die Fashion Flatrate


Als Mitglied der Kleiderei und für einen monatlichen Festpreis von 29 € kann man innerhalb der Ladenzeiten im Sortiment stöbern, anprobieren und bis zu vier Teile gleichzeitig mit nach Hause nehmen. Man entscheidet selbst, wie lange man etwas behalten möchte, nutzt die Kleidung wie die eigene und trägt in diesem Zeitraum die Verantwortung für die Pflege. Sobald man sich sattgesehen hat, kann man sie wieder austauschen und gibt sie gewaschen zurück. Gegen einen kleinen Aufpreis kann dieser Service auch von der Kleiderei übernommen werden. Kleidung kaufen kann man aber auch, nicht nur Mitglieder: Man erhält sogar Rabatt auf ein Teil, das man vorher schon mindestens einen Monat ausgeliehen hatte. Die Kleiderei ist also Dreh- und Angelpunkt, wenn es darum geht, neue Styles auszuprobieren, Lieblingsteile neu zu kombinieren oder für besondere Anlässe gewappnet zu sein – und das alles, ohne einen eigenen Fundus anzulegen. Von Vintage-Mode bzw. Second Hand bis hin zu Fair Fashion ausgesuchter Designerlabel: Man muss nicht alles besitzen, aber man kann alles nutzen.

Je mehr man sich mit Mode beschäftigt, desto weniger kann man auch die schlimmen Themen der Branche irgnorieren.

Mit Rücksicht auf Menschen, Umwelt und Ressourcen


Lena Schröder (Foto oben), Modedesignerin aus Köln, entwarf schon während ihres Studiums unter ihrem Label Trinkhallen Schickeria Kleidung und Kollektionen aus vorhandenen Materialien und Textilien, die sie zu raren Upcycling-Pieces verarbeitete und präsentierte. „Je mehr man sich mit Mode beschäftigt, desto weniger kann man auch die schlimmen Themen der Branche irgnorieren.“ – Logisch, dass sie für ihre Abschlussarbeit ebenfalls Second Hand Ware verwendete und die Umweltauswirkungen der Modebranche thematisierte. Da stand eigentlich schon fest, dass sie keine konventionelle Modekarriere einschlagen würde und startete direkt nach dem Abschluss ihr eigenes Vintage-Geschäft plus Slow Fashion Label. 2018 hat sie das Kleiderei-Konzept als Geschäftsführerin übernommen und leitet die Kölner Filiale. Seit letztem Jahr ist auch die Unternehmerin, Event- und Marketingmanagerin Maria Schorn an Bord und brachte die Kleiderei nach Freiburg. Unter dem Namen Ropateca (zu dt.: Kleiderbibliothek) erprobte sie das Mietmodell für Kleidung bereits vor ein paar Jahren in Barcelona und stand seitdem mit der Kleiderei im Austausch.


Lena Schröder und Maria Schorn (v.l.) fördern nachhaltigen Kleiderkonsum

Entschieden nach vorn


Das Konzept des Verleihens und Leihens von Kleidung ist noch unbekannt, ungewohnt und unvertraut. Allerdings befinden wir uns bereits in einem Prozess des Umdenkens und damit steht fest, dass sich Konsum in allen Bereichen unseres Lebens verändern wird. Wir haben schon einige entscheidende Schritte in eine nachhaltigere Zukunft gemacht, u.a. mit der Abschaffung der Plastiktüte, der Einführung von umweltfreundlicheren Hygieneprodukten für die Periode, Angeboten zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung oder Zahnbürsten aus nachwachsenden Rohstoffen. Bis sich neue Angebote in einer Gesellschaft etablieren, braucht es mutige Vorreiter und vor allem Zeit. Doch Zeit, die man während einer Krise, wie Corona, nicht hat, kann einer jungen Geschäftsidee das Genick brechen. Deshalb brauchen gute Ideen nicht nur genügend Kapital, um sich auch über längere Durststrecken hinweg, wie Corona, über Wasser zu halten, sondern auch Menschen, die an diese Ideen glauben und sie in die Welt tragen.

Kleine Schritte, langsam wachsen


Die Kleiderei möchte als Franchise wachsen und plant mit dem Konzept für das nächste Jahr weitere Stores in weiteren Städten Deutschlands, um mit ihrer Community tragbare Kleidung vor der Entsorgung zu retten und so für alle verfügbar zu machen.

Good news: Als nächstes ist Berlin dran und wir dürfen uns auf ein buntes Repertoire an zeitlosen Styles, ausgewählten Designer-Stücken und It Pieces freuen.


Neugierig? Hier geht's zur Kleiderei.


Zum Weiterlesen:


Beitrag über die Kleiderei in der aktuellen Ausgabe des Alnatura-Magazins.

Artikel über Mietmode in der FAZ von 04/20.

Über die Autorin und Designerin Aivin Bleich.


Bleib auf dem Laufenden und erhalte auf Instagram spannende Insights in meinen Alltag als Designerin @blushstories.berlin | @aivinberlin


Bildquelle: Kleiderei/Anna Maria Langer

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