Mit HPV umgehen (lernen)

Aktualisiert: Feb 8

OP-Erfahrungsbericht: Sechs Wochen "ohne alles"


Vor vier Wochen wurde ich zum dritten Mal im Genitalbereich operiert. Die ersten beiden Male waren 2019 und nach der zweiten OP hatte ich eigentlich gedacht: Das war's - Bitte nicht noch einmal. Jedes Mal Vollnarkose, jedes Mal Sex-Verbot. Damals hatte ich das Problem, dass beide Bartholindrüsen, das sind jene Drüsen, die für Feuchtigkeit bei Erregung sorgen, verstopften und sich entzündeten. Falls euch das interessiert, lasst es mich gern wissen. Recht viele Frauen können davon betroffen sein und eine OP ist noch lange kein Garant dafür, dass sich die Drüse nicht wieder entzündet; Bisher hatte ich jedoch damit Ruhe... Heute soll es aber um meine HPV-OP gehen. Wenn du wissen möchtest, was das ist, dann informiere dich bitte darüber (unter dem Artikel sind ein paar Links angefügt). In diesem Beitrag geht es darum, was mich dazu bewogen hat, den Eingriff durchführen zu lassen und wie ich den Behandlungsverlauf empfunden habe.


Inhalt:

Diagnose: HPV

Zweite Meinung einholen

Der Eingriff

Sechs Wochen "ohne alles"

Mit dem Partner sprechen

Impfen Ja oder Nein?



Diagnose: HPV


Als mir meine Frauenärztin vor zwei Jahren HPV (Humane Papillomviren) diagnostizierte, war ich erstmal wie vor den Kopf gestoßen. Die ersten Gedanken waren natürlich: Oh Gott, ich habe Krebs! Halt. So ist das nämlich gar nicht. Und auch die berüchtigten Feigwarzen blieben mir erspart. Die nächsten Abstriche im darauffolgenden Jahr hatten sich leider nicht gebessert, sodass ich zur Dysplasie-Sprechstunde zur Kolposkopie überwiesen wurde. Während dieser Zeit machte ich mir große Vorwürfe, mit meinem vorigen Partner nicht verhütet zu haben, jedoch ist sich die Medizin gar nicht mal so einig in dem Punkt, ob HPV nur durch intimen Kontakt übertragen wird. So hatte mir meine Frauenärztin über Mädchen berichtet, die keinen sexuellen Kontakt hatten und trotzdem mit HPV infiziert waren. Die Übertragung kann durch Haut- und Schleimhautkontakt stattfinden, also nicht nur durch Sex.



Zweite Meinung einholen


Mein Laborbefund der Kolposkopie ergab, dass es sich bei mir um den Fortschrittsgrad CIN 2 bzw. Pap IIID handelte, also um eine Zellveränderung, die sich unter Umständen in krebsartige Zellen entwickeln könnte. Daraufhin erklärte mir meine Gynäkologin, welche Möglichkeiten ich zur Behandlung hatte: Einen operativen Eingriff, bei dem die Zellveränderungen vom Gebärmutterhals entfernt würden oder Warten auf Besserung. Ich war total unschlüssig und ließ mich von einer anderen Gynäkologin telefonisch ausführlich beraten. Sie machte mir Mut und versicherte mir aufgrund meines Befundes, dass meine Frauenärztin sehr gründlich gehandelt hatte und auch in der Dysplasie-Praxis einwandfrei gearbeitet wurde. Wir besprachen die Vor- und Nachteile und ich ließ mir den Eingriff der geplanten Schlingenexzision ausführlich erklären. Nach unserem Gespräch entschied ich mich dafür, die OP vorbeugend durchführen zu lassen, sodass sich die veränderten Zellen nicht in Tumore entwickeln würden.



Der Eingriff


Der Eingriff wurde im Institut für Zytologie und Dysplasie ambulant durchgeführt, wo ich mich sehr gut aufgehoben fühlte. Nach meiner Ankunft bekam ich im Aufwachraum ein Bett zugeteilt, entkleidete mich und wartete, dass mir der netteste Pfleger Berlins einen Zugang legte. Da ich schon "Erfahrung" mit OP's (im Genitalbereich hatte), hielt sich meine Aufregung in Grenzen, jedoch wuchs mit jedem Mal mein Respekt vor der Narkose. Ich meine: Für eine begrenzte Zeitspanne bin ich einfach nicht "da" - wie crazy ist das bitte?

Dann ging alles ganz schnell. Der Weg in den OP-Saal stand unter dem Motto: Rein laufen, raus rollen. Auf dem OP-Stuhl witzelten wir noch über den Wintereinbruch in Spanien und zack, war ich weg... Bei dem Eingriff wird der Gebärmutterhals mit einer Essiglösung und Jod benetzt, wodurch sich verändertes Zellgewebe vom gesunden abhebt. Dieses wird mittels einer Schlinge, durch die Strom fließt, entfernt (Schlingenexzision). Diese Methode ist besonders blutungsarm. Im Netz kann man unter dem Begriff "Konisation" mehr erfahren... Die Nachblutung trat im Verlauf der Heilung ein. Da der Eingriff ambulant war, holte mich mein Partner kurz nach dem Aufwachen mit dem Auto ab. Für die Nachsorge hieß es: "Sechs Wochen kein Sex, kein Vollbad, kein Sport, keine Tampons." - "Auch keine Menstruationstasse?" - "Auch keine Menstruationstasse."



Sechs Wochen "ohne alles"


Wow. Seit ich meine Periode habe, hatte ich immer Tampons verwendet. Vor ungefähr drei oder vier Jahren bin ich auf die Menstruationstasse umgestiegen und kann mir nichts komfortableres vorstellen. Zumal meine Periode in den ersten zwei Tagen sehr stark ist - wie bitte sollte ich das mit Binden durchstehen? Doch alles Jammern half nichts. Allein drei Wochen dauerte die Nachblutung der Wundheilung. Nach den ersten sieben Tagen war sie besonders stark, da sich in diesem Zeitraum der Wundschorf löst. Allein diese drei Wochen zu bluten (und Schmerzen) war eine nervliche Herausforderung, vor allem, wenn man plötzlich Binden verwenden muss - Einfach mal laufen lassen. Die ungeschönte Wahrheit ist: Ich habe mich nie unwohler gefühlt. Es war unangenehm, es roch unangenehm (Wundheilung!) und es produziert einen Haufen Müll. Die gute Seite ist: Ich habe schon die Hälfte der Schonzeit hinter mir. Woche vier ohne Sex, ohne Baden, ohne Menstruationstasse. Und meine Periode? Läuft.



Mit dem Partner sprechen


HPV ist weit verbreitet, das heißt aber nicht, dass man es ignorieren sollte. Denn man kann dagegen rechtzeit etwas unternehmen, wenn Mann und Frau sich regelmäßig untersuchen lassen. Vor allem Frauen sollten zwei Mal im Jahr zur Kontrolle zum Frauenarzt gehen und einen Abstrich machen lassen. Auch Männer können HPV bekommen und es munter an uns Frauen beim (ungeschützten) Sex übertragen. Mein voriger Partner spielte es herunter, als ich ihm von meiner Diagnose erzählte, obwohl er selbst Arzt ist. "In den USA hat fast jeder HPV.", waren in etwa seine Worte. WTF! Mein aktueller Partner weiß seit Beginn unserer Beziehung Bescheid. Bei meinem letzten Termin fragte ich meine Frauenärztin, ob wir jetzt mit Kondom verhüten sollten, um eine erneute Übertragung zu vermeiden. Ihre Antwort: Da nicht konkret bekannt ist, wie HPV wirklich übertragen wird und wie nicht, macht es keinen Sinn, sich derart einzuschränken. Siehe Beispiel mit den jungen Mädchen ohne sexuellen Kontakt.



Impfen Ja oder Nein?


Wie geht es weiter? In der Dysplasiesprechstunde erhielt ich den Antrag für meine Krankenkasse, die Kosten für die HPV-Schutzimpfung zu übernehmen. In meinem Anschreiben erklärte ich den bisherigen Verlauf, warum ich nicht während meiner Jugend geimpft wurde und bat um finanzielle Unterstützung - die mir gewährt wurde (bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres übernimmt es die Kasse einfach so). Drei Impfdosen Gardasil 9 liegen bei knapp 500 Euro! Die letzte Impfung erhalte ich in zwei Monaten und bis dahin wird sich mein Körper vollends von der OP an meinem Gebärmutterhals erholt haben. Inzwischen erwägen mein Partner und ich eine Schutzimpfung auch auf seiner Seite. Leider sind die Schutzmaßnahmen bei Männern noch nicht wirklich gang und gäbe wie bei Frauen. Doch auch bei Männern besteht ein Risiko zur Ausbildung von Anal- und Hodenkrebs. Deshalb ist es unumgänglich, sich gemeinsam als Paar über Risiken und Schutz vor HPV zu informieren. Es gibt zahlreiche Typen von HPV und eine Impfung immunisiert den Körper gegen alle, bis auf jene, die man schon hat(te). Da bei mir inzwischen aber die veränderten Zellen entfernt wurden, kann ich davon ausgehen, dass durch die nächste Impfung mein Körper dann auch gegen diesen Typ immun ist.


Zum Weiterlesen:

HPV - Was ist das?

HPV - Schutzimpfung

HPV bei Männern

Über die Autorin und Designerin Aivin Bleich.

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